Bemerkungen über das Lehrer-Schüler-Verhältnis

Wie ein Schüler im Verhältnis zum Lehrer oder zur Vorstellungssituationen reagiert, wird durch sein Selbstbild bestimmt.

So wie der Lehrer die Lernbedingungen während des Unterrichts beeinflusst, beeinflusst er das Selbstbildnis des Schülers. Solche Einflüsse können positiv oder negativ sein. Je mehr der Lehrer sein Eigenbild bzw. seine Persönlichkeit auf die Lehrsituation projeziert, um so negativer werden die Lernbedingungen für den Schüler im Sinne von Selbstlernen und Selbstentwicklung.

Aus diesem Grund wird die Entwicklung des Selbstlernens und des Selbstbildnisses im Sänger reduziert und ersetzt durch die Imitation der Körperbewegungen des Lehrers, wie er sie in dessen Körpersprache sieht, durch Imitation der Ästhetik des Lehrers, wie er sie in vorgesungenen Beispielen des Lehrers hört und durch die Imitation der persönlichen Eigenschaften des Lehrers, wie er sie im Verhalten des Lehrers beobachtet. Mit der Zeit wird der Schüler das Imitat des Lehrerverhaltens als sein eigenes Verhaltensmuster übernehmen. Dies bedeutet, dass das Selbstbildnis des Schülers an die Persönlichkeit des Lehrers gekoppelt wird. Je näher die Kopie dem Lehrer kommt, desto größer ist die Unterstützung durch den Lehrer, weil der Lehrer die Kopie positiv bewertet. Der Schüler ist nun gefangen in einer Situation, in der die Entwicklung seiner eigenen Künstleridentität zunehmend schwieriger wird.

Ohne eine weit entwickelte Persönlichkeit und ein positives Selbstbildnis seiner Sängeridentität, hat der zukünftige professionelle Musiker wenig Chancen, ein echter Künstler zu werden. Der Schüler muss die Verantwortung übernehmen, sich selbst zu ändern. Der Lehrer übernimmt die Verantwortung, den Prozess dieser Entwicklung zu führen.