Brief von Renate an Eugen

geschrieben und Eugen vorgelesen in der Nacht bevor er starb

 

Mein Liebster,

wenn du gestorben bist
und wiedergeboren werden solltest,
dann sei gewiss, dass ich sehr achtsam sein werde.

Solltest du eine Blume sein, wisse, dass ich dich nicht pflücke,
sondern dich hege und pflege, damit du lange blühen kannst.
Und solltest du als Tier wiedergeboren werden, dann weißt du ja,
dass ich immer achtsam war mit allen Großen und Kleinen.

Ich achte darauf, keine Ameise oder Käferlein zu zertreten;
hilflosen, halb ausgetrockneten Regenwürmern helfe ich immer,
als Katze nehme ich dich sowieso auf und als Hündchen erst recht.
Für alles Große finde ich auch eine Möglichkeit.

Aber solltest du als Mücke oder Motte während der Fahrt
auf meiner Autoscheibe landen, dann entschuldige bitte jetzt schon.
Kommst du als Mensch wieder, haben wir ja oft genug Vereinbarungen
über unser Wiedersehen gemacht und du versprachst, mich von Beginn an zu suchen.

Da hab‘ ich gar keine Sorgen.

Wirst du ein Halbgott, so wünsche ich dir die Achtsamkeit,
mit dem Glück und Reichtum gut umzugehen und das Wissen,
dass Alles einmal endet und sich Alles stetig verändert, nie aus dem Blick zu verlieren.

Sonst wirst du hart abstürzen.

Wenn du ein Gott wirst, genieße alles und ich weiß,
dass du immer bescheiden, liebevoll und gütig sein wirst.

Solltest du in deinem Übergang die Erleuchtung finden,
dann lass dein Licht über mich und alle Wesen leuchten.

Eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, dass du dich entscheidest,
weiterhin der Bodhisattva Pälden Yeshe zu sein,
der du schon bist und weiterhin mit deiner strahlenden Weisheit
allen Wesen helfen wirst auf ihrem ureigenen Weg.

Gib mir das kleine Zeichen, welches wir vereinbart haben,
damit ich dich, in welcher Hülle auch immer, erkennen werde.

 

Deine Renate